L wie Liebesstadt

Zum Valentinstag präsentiert der TA ein Abc rund um die Liebe in Zürich.

 

A wie Aamache
Das «Slängikon» ist eine Fundgrube für Doppel-A-Begriffe, die das amouröse Anmachen beschreiben: aabaggere, aabiime, aabiisse, aabohnere, aachratze, aadocke, aafrääse, aagrabe, aakicke, aamache, aarämple, aaranze, aaschnalle, aasetze und aatörne.

B wie Bargeld
Ein Rendez-vous in der Stadt Zürich kostet Geld. Genau genommen 201 Dollar. Das sagt die Studie «Mapping the World’s Price 2016». In diesem Preis enthalten sind die Kosten für eine Taxifahrt, ein Abendessen, zwei Kinoeintritte, Softdrinks und ein paar Gläser Bier. Damit steht Zürich im Städtevergleich auf Platz eins, gefolgt von Kopenhagen, Tokio, Stockholm und Amsterdam.

C wie Casanova
Auf seinem Weg ins Kloster Einsiedeln – wo Casanova untertauchen wollte – hat der grosse Frauenheld im Jahr 1760 auch in Zürich, im Haus zum Schwert, haltgemacht. Auf dieser Reise lernte er aber auch Maria Anna Ludovica Von Rolls kennen, was ihn schliesslich ganz vom Klosterbesuch abhielt.

D wie DVD-Tipps
Der DVD-Verleih Filmriss schliesst im Sommer. Höchste Zeit, noch ein paar Liebesfilmtipps abzuholen: Filmriss empfiehlt den Pärchen, die den ersten gemeinsamen Valentinstag feiern, «Take This Waltz». Den langjährigen Paaren dient der Film «Rosenkrieg» als Abschreckungsszenario, und die Singles kommen mit dem Liebesduell «(500) Days of Summer» in Stimmung.

E wie Ehezimmer
Mann und Frau durften sich in Zürich im 18. Jahrhundert schon scheiden lassen. Doch zunächst mussten sie eine gemeinsame Zeit im Ehezimmer, im obersten Stock des Rathauses, verbringen. Dort teilte das Paar Besteck und Bett – und musste sich nochmals über die Scheidung Gedanken machen.

F wie Flirten
Wo wird in Zürich am besten geflirtet? Die Dating-App Blinq sagt bei der Pumpstation am Zürichsee. Der Flirtexperte Pöhm nennt den Club Hiltl als besonders geeignet. Gefolgt von Supermarket und Jade. Die Site Swissfriends dagegen nennt die Zentralbibliothek, den Flohmarkt beim Kanzleischulhaus oder die Bäckeranlage. Für die Website Vice ist der beste «Abschleppschuppen» in der Stadt das Gonzo an der Langstrasse.

G wie Grosse Liebe
80 Prozent aller Zürcherinnen und Zürcher in einer Beziehung geben an, die grosse Liebe gefunden zu haben. Dass diese Erhebung von der Dating-Plattform Parship.ch stammt, sollte uns nicht davon abhalten, diese Geschichte zu glauben – zumindest am Valentinstag.

H wie Herzform
892 Herzeinträge verzeichnet das Anzeigenportal Tutti.ch im Kanton Zürich. Darunter finden sich neben Schmuck und Ballonen auch kristallene Aschenbecher, Toaster oder ein Waffeleisen.

I wie Irina Beller
Man kann von dem Jetsetpaar Irina und Walter Beller natürlich halten, was man will. Doch was die Originalität in Sachen Kosenamen betrifft, belegt Irina Beller einen vorderen Platz: Sie nennt ihren Walter neckisch «Specki».

J wie Jawort
3529-mal hörten die Zivilstandesbeamten im Stadthaus 2015 das Wort «Ja». Wer verheiratet ist, lebt in Zürich bevorzugt im Kreis 12. Dort machen die Ehepaare mit 37,1 Prozent einen Grossteil der Bevölkerung aus. Mit 10,3 Prozent zieht es übrigens überdurchschnittlich viele Geschiedene in den Kreis 1.

K wie Knoblauch und Kawa
Knoblauch und Kawa haben eine deutlich aphrodisierende Wirkung, weiss Peter Enz, Gartenleiter des Botanischen Gartens in Zürich. Beides kann dort zwar bestaunt werden. Aber pflücken sollte man diese Gewächse nicht.

L wie Liebesstadt Zürich
Niemand würde so weit gehen, Zürich als Liebesstadt zu bezeichnen. Auch die Radiojournalistin Regula Sager nicht. Doch in ihrem gleichnamigen Büchlein versammelt sie Liebesgeschichten aus der Stadt Zürich. Dazu kommt: Die Website Ebookers führt Zürich auf Platz eins der Valentinstag-Destinationen auf. Noch vor Berlin, London oder Amsterdam. Paris rangiert auf Platz 10.

M wie Mann, Thomas
Sommer 1950. Der 75-jährige Thomas Mann logierte im Grandhotel Dolder, weil im bevorzugten Baur au Lac die Ratten hausten. Hier begegnet er seiner «letzten Liebe», dem 19-jährigen Pagen Franz Westermeier. Über «seinen Franzel» schrieb Mann in sein Tagebuch: «Noch einmal also dies, noch einmal die Liebe, das Ergriffensein von einem Menschen, das tiefe Trachten nach ihm.» Westermeier war Manns Zuneigung nicht bewusst, wie er nach Veröffentlichung der Tagebücher erzählte.

N wie Näggele
Näggele heisst auf Zürichdeutsch so viel wie herummachen. Bekannte Orte, an denen besser gnäggelet werden kann als anderswo: der Parkplatz beim Restaurant Waid, die Dolder-Eisbahn, am Katzensee bei Vollmond, während einer Pedalofahrt auf dem Zürichsee.

O wie Ohrwurm
Eine Liebeserklärung an die Stadt Zürich: Der Clochard im Minimusical «Eusi chlii Stadt» von 1959 machts vor: «Mis Dach isch de Himmel vo Züri, s Bellevue mis Bett won i pfuus, d Schipfe mis Bänkli, s Central mis Schränkli und Züri ganz Züri mis Huus.»

P wie Politikerpärli
Die bekanntesten Zürcher Politikerpaare: Stadtrat Raphael Golta (SP) ist mit der Kantonsrätin Catherine Heuberger-Golta (SP) verheiratet. Dann ist da die SP-Ehe zwischen Alt-Kantonsrätin Anna Maria Riedi und Regierungspräsident Mario Fehr (SP). Und schliesslich die Stars in der Politszene: das rot-grüne Powercouple Nationalrätin Min Li Marti (SP) und Nationalrat Balthasar Glättli (Grüne). Das ruft nach einem einschlägigen Prominamen. Wir schlagen «GläMar» vor. Fast wie Glamour, aber halt nur fast. Kollege Baumann hatte Recht, als er von der «Liebeslaube Rathaus» schrieb.

Q wie Quastenflosser
Ein präpariertes Exemplar eines höchst monogamen Fisches ist im zoologischen Museum zu bestaunen: der Quastenflosser. Er ist sehr schwer zu finden und gilt als lebendes Fossil. Ob ihm die Monogamie beim Überdauern der Jahrtausende geholfen hat, ist nicht klar.

R wie Rosen
Rosen sind heute nicht nur bei den Blumenverkäufern und als Zeichen der Liebe der Hit. Sie dominieren ganzjährlich auch das Stadtzürcher Strassennetz: Neben dem Rosenhof ist da die Rosengasse. Dann die besonders bei Autofahrern beliebte Rosengartenstrasse und die Rosenbühlstrasse. Bei so viel Rosen bleibt nur noch eines: ein Tränchen für den ehemals höflichsten Rosenverkäufer der Langstrasse zu vergiessen: Kubeysi Genoglu. Dieser wurde 2014 nach Istanbul ausgeschafft, da er sich das Bleiberecht in der Schweiz über eine Scheinehe verschafft hatte. Man sollte eine Strasse nach ihm benennen.

S wie Schwäne
Ein besonders treues Tier ist auf dem Zürichsee beheimatet. Der Schwan gilt in einigen Kulturen sogar als Symbol für Treue. Als Zweijährige entscheiden sie sich für einen Partner, mit dem sie dann nicht selten ein Leben lang zusammen sind. Auch in der Stadt Zürich, wo jährlich rund 40 Schwanenpaare brüten.

T wie Tierli
Valentinstag spielt auch im Zoo eine Rolle. Die beiden Kappengibbons Willow und Khmer sind bereits seit 25 Jahren ein Paar. Ihr letztes Junge, das Weibchen Qiwèn, ist Ende letzten Jahres zur Welt gekommen. Noch länger liiert sind die Galapagos-Riesenschildkröten Nigrita ( Jahrgang 1946) und Jumbo ( Jahrgang 1962). Sie sind bereits seit 27 Jahren ein Paar. Zusammen haben sie bereits 80 Junge zur Welt gebracht.

U wie Uf und devo
Sie Gefängniswärterin, er Gefangener. Die Zürcher Bonnie & Clyde gewissermassen. Keine Liebesgeschichte berührte die Zürcherinnen und Zürcher im letzten Jahr mehr. Nun sind Angela Magdici und Hassan Kiko wieder getrennt. Aber wir dürfen auf ein Happy End hoffen: «Wir wollen heiraten», sagte Kiko vor dem Richter und warf seiner Knastliebe beim Gehen einen Luftkuss zu.

V wie Valentin
Woher kommt der Valentinstag? Der wahrscheinlichste Ursprung geht auf den Bischof Valentin von Terni in Italien zurück. Dieser traute heimlich verliebte Paare, die von Standes wegen nicht heiraten durften, und überreichte ihnen Blumen aus dem eigenen Garten. Als seine heimlichen Trauungen aufflogen, liess ihn der Kaiser kurzerhand enthaupten – das war am 14. Februar 268. Doch die Geschichte der Valentins war damit nicht zu Ende: In Zürich sind heute 274 Valentins registriert, die höchste Valentin-Dichte hat mit 47 der Stadtteil Oerlikon.

W wie Wagner
1852 hörte die verheiratete Mathilde Wesendonck in Zürich die Ouvertüre zu Richard Wagners «Tannhäuser». Ihr Innerstes sei von der Musik berührt gewesen, gab sie später zu Protokoll. Ihr Mann, Otto Wesendonck, wurde zu Wagners Gönner und bot ihm auch Asyl direkt neben seiner Villa – das heutige Museum Rietberg. Die Gefühle, die zwischen Richard und Mathilde aufblühten, wird Wagner später in seinem tragischen Werk «Tristan und Isolde» verarbeiten. Über Mathilde schrieb er Jahre nach seinem Wegzug aus der Stadt Zürich noch: «Sie ist und bleibt meine erste und einzige Liebe.»

X wie Xäverli
Xaver und Chäfer bilden den Kosenamen Xäverli (siehe auch «Specki»).

Y wie YoLo
YoLo – You only Love once. Oder auch: One Love. Mit grosser Wahrscheinlichkeit nur einmal geliebt hat sich ein Ehepaar, das im Kreis 2 zu Hause ist. Sie haben im Juni 1942 geheiratet – ja, das war während des Zweiten Weltkriegs. Im Jahr 2015, dem Jahr der Erhebung, war der Ehemann 102 Jahre und die Ehefrau 97 Jahre alt. Sie erhalten mit den erfassten 73 Jahren Ehe den Pokal für das am längsten verheiratete Ehepaar in der Stadt Zürich.

Z wie Zwingli
Seine Liebe brachte das Zölibat in Zürich zu Fall: Bereits vor seiner Ehe mit der Witwe Anna Reinhart nahm es der zukünftige Reformator Huldrych Zwingli mit der Bibel nicht wörtlich. So gestand er in einem Beichtbrief 1518, dass er sich von einem Weibsbild habe verführen lassen. Verbindlich wurde diese Liebe, nachdem Reinhart Zwingli während seiner Pesterkrankung gepflegt hatte. Sie wurde nach der Trauung im Grossmünster die erste Pfarrfrau der Schweiz.

In Zusammenarbeit mit David Sarasin
Eine Version des Artikels erschien im Tages-Anzeiger

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