Kigogo – Das Dorf der Verdammten

Kigogo ist ein Dorf in der heutigen Demokratischen Republik Kongo. Hier bekämpften sich jahrelang Armeen und Milizen, hier begegneten sich Callixte, ein ex-Kindersoldat aus Ruanda, und Wabiwa, eine junge Frau aus dem Kongo. Das ist ihre Geschichte, die trotz Kriegswirren weitergeht – irgendwie.


Kigogo: Das Dorf liegt im Osten der Demokratischen Republik Kongo.

Tiefblauer Himmel, sanft gewellte Hügel, saftiggrüne Felder, dann ein Fussballfeld, auf dem sich vier Knaben übermütig balgen, ein paar Schritte weiter döst ein Bauer im Schatten seiner Lehmhütte. Auf einer Holzbank sitzen drei weisshaarige Männer und beobachten, wie eine Frau Maniokknollen schält. Es ist ruhig in Kigogo, dem Dorf in der ostkongolesischen Provinz Süd-Kivu. Alles scheint friedlich – einzig die drei Soldaten der kongolesischen Armee, die mit alten AK-47-Gewehren am Dorfeingang sitzen, passen nicht ins idyllische Bild.

Der alte Kindersoldat

«In meinem Leben habe ich weit über 100 Menschen getötet», gibt Callixte Shukuru zu, «aber in meinen Träumen erscheint immer nur ein einziger – der erste. Es war ein junger Kongolese, etwas älter als ich.» Das war vor 21 Jahren. Callixte, ein hagerer und müder Mann, sitzt auf einem Holzschemel in seiner Lehmhütte in Kigogo. Er kann seine Hände nicht stillhalten, presst ständig die Haut zwischen Daumen und Zeigefinger. Der Ex-Kindersoldat einer Hutu-Miliz ist nervös. Er stammt nicht von hier, sondern aus Ruanda, aus der Stadt Butare, wo 1994 die Hutu-Miliz Interahamwe einfiel und Tutsis massakrierte. Callixte ist ein Hutu, man liess ihn unbehelligt. Trotzdem floh der damals Neunjährige zusammen mit seinem Onkel westwärts, ins grenznahe Bukavu in Zaire, heute Demokratische Republik Kongo. Denn auch moderate Hutus, das wusste man bald, waren gefährdet.Die zwei Ruander erreichten das Flüchtlingslager Inera. «Tausende Flüchtlinge lebten hier, es gab kein Wasser, keinen Platz zum Schlafen und überall stank es nach Fäkalien», erzählt Callixte. Zwei Monate später starb sein Onkel an Cholera. Callixtes Mutter und seinen beiden Schwestern waren schon vor dem Beginn des Völkermords an den Tutsi ostwärts geflüchtet, nach Tansania. Und sein Vater war schon vor langer Zeit spurlos verschwunden. Callixte war auf sich alleine gestellt. Seine Einsamkeit war von kurzer Dauer. Ein freundlicher Mann bot ihm neue Kleider an und lud ihn ein, seine Freunde im nahen Wald zu besuchen. «Wir erreichten eine Lichtung und ich sah, dass hier eine Art Trainingslager installiert war», erinnert sich Callixte. Er blieb.


Callixte auf der Suche nach einem Handysignal: Jeden Abend muss er seinem Chef Bericht erstatten.

Im Trainingslager wurde ihm eine «Ideologie» vermittelt: Die Tutsi-Regierung habe sein Heimatland Ruanda gestohlen und wolle ihn und seine Familie töten – das war die These. Kämpfe, um dein Land zu befreien! – so lautete die Losung, die Callixte eingebläut wurde. In den nächsten Monaten lernte er, im Urwald zu überleben, eine Kalaschnikow zu bedienen und bei Überfällen in nahen Dörfern Essen zu erbeuten – eine «Verpflegungsoperation» nannte man das. Es war bei einer solchen Dorfplünderung, als plötzlich ein junger, mit einer Machete bewaffneter Kongolese vor ihm stand. Callixtes Kumpane feuerten ihn an, den Jungen zu erledigen. Er tats. Seither verfolgt ihn beim Einschlafen der langsam erlöschende Glanz in den Augen seines ersten Opfers.

Auf der Flucht

Als 1994 Ruandas Armee die Grenze zum Nachbarland im Westen überquerte, floh Callixte mit seinen neuen Freunden ins Landesinnere, dann weiter Richtung Brazzaville: 1000 Kilometer. Sieben Monate lang wanderten sie durch den Urwald. Callixtes Haut wurde rau und ledrig. Erschöpfung, Hoffnungslosigkeit und Angst waren die ständigen Begleiter. In einem Flüchtlingslager bei Brazzaville formierte sich die Hutu-Miliz neu. «Ruandische Befreiungsarmee» nannte sie sich. «Ich war stolz, dazuzugehören», sagt Callixte, und knetet wieder seine Finger.

Im Sommer 1998 nimmt der Konflikt eine neue Wendung: Um die im Osten von Ruanda unterstützten Tutsi-Rebellen zu bekämpfen, rief Präsident Laurent-Désiré Kabila die ruandische Hutu-Miliz zu Hilfe. Kabila hatte das Land nach seiner Machtergreifung von Zaire in Demokratische Republik Kongo umbenannt. «Kabila gab uns Waffen und neue Uniformen», bestätigt Callixte, der dreizehn Jahre alt geworden war. «Fast täglich mussten wir kämpfen. Ich sah viele Kameraden sterben. Als ich nach einem Kampf über einen Leichenberg lief, erschien mir Gott. Ich erkannte, dass er der Einzige ist, der uns noch retten kann.»


Ein Kollege von Callixte, der ebenfalls aus Ruanda stammt.

2001 wird Kabila ermordet. Callixtes Gruppe, die sich nun Hutu-Miliz FDLR (Demokratische Kräfte zur Befreiung Ruandas) nennt, zog weiter und durchquerte erneut auf langen Märschen den Urwald. Zusammen mit rund 8 000 kongolesischen Soldaten erreichten sie nach einem Jahr den Osten Kongos, wo sie sich auf verschiedene Dörfer aufteilten – so kam Callixte zusammen mit anderen Milizionären nach Kigogo. Ein Dorf, das die Hutu-Miliz schon vor Jahren betreten hatte: um es zu plündern. Doch diesmal befahl der Miliz-Chef Callixte, den Dorfbewohnern bei der Feldarbeit zu helfen, und er ermutigte ihn, sich eine kongolesische Frau zu suchen.


Die Rebellen rasieren sich gegenseitig.

Kampf und Kooperation

Mama Mirjam in Kigogo hatte erlebt, wie einst zirka achtzig Hutu-Milizionäre in ihr Dorf eingefallen waren: Vom Feld aus, wo sie arbeitete, sah sie, dass plötzlich das Dach ihres Hauses brannte. Sie versteckte sich drei Tage lang in einem Gebüsch und beobachtete, wie die Hutu-Milizionäre ein Haus nach dem anderen anzündeten, ihre Nachbarin auf die Strasse zerrten und sie vergewaltigten. Danach trieben sie Ziegen, Hühner und Kühe zusammen und verschwanden damit im nahen Wald. Als Mirjam sich schliesslich aus ihrem Versteck wagte, fand sie ihre Tochter blutend hinter dem Haus. Fünf Milizionäre hatten sich an ihr vergangen. Mirjam erinnert sich: «Ich schwor Rache. Aber ich wusste nicht wie. Wir waren machtlos.»

Es war nicht das erste Mal, dass das Dorf von Milizen heimgesucht worden war. Schon in den späten 1990er-Jahren hatten lokale Milizen Kigogo geplündert und Frauen vergewaltigt. Auch die Hutu-Miliz war mehrmals zurückgekehrt: Hungrige Kämpfer auf der Suche nach Essen. Jahre später, als Mirjam von einem Besuch in der Stadt ins Dorf zurückkehrte, sah sie Ungewöhnliches: Hutu-Milizionäre waren unbewaffnet aufgetaucht und reparierten Wellblechdächer. In den folgenden Wochen trafen weitere Kämpfer der Hutu-Miliz FDLR ein und fragten, ob sie nicht auf dem Feld mitarbeiten könnten. Man liess es zu, war man doch froh für jede zusätzliche Hand. Die Bauern und die arbeitswilligen Hutu-Milizionäre kamen sich im Laufe der Monate näher. Die Dörfler gaben ihnen Essen gegen Arbeit. «Sie waren ausgehungert», erkannte Mirjam. «Als die Dorfbewohner realisierten, dass wir nicht hier sind, um sie auszurauben, sondern um zu arbeiten, begannen sie uns zu akzeptieren», sagt Callixte. Und eines Tages sah er ein schönes Mädchen auf einem Maniokfeld.


Maniok: Das Hauptnahrungsmittel

Sie ist die achte Tochter von Mihingo Nyandanga und seiner Frau Machozi Mazambi. Wabiwa trägt den Namen ihrer kurz zuvor verstorbenen Schwester und verbrachte schon früh ihre Tage auf dem Feld, um Mutter und Schwestern beim Ausgraben von Maniokwurzeln zu helfen. Die Schule besuchte sie nur sporadisch. Nach dem 6. Schuljahr brach sie sie ganz ab – der Unterricht war zu teuer, die Feldarbeit ging vor. Als sie 16 Jahre alt war und mit ihren Freundinnen, darunter Mama Mirjam, auf dem Feld arbeitete, schlenderten mehrere Hutu-Milizionäre vorbei. «Da habe ich Callixte gesehen. Er hat mich mit seinem Blick fixiert. Wir haben uns tief in die Augen geschaut, sind aber aneinander vorbeigelaufen und haben nichts gesagt», erzählt Wabiwa. Als sie am nächsten Tag vom Feld nach Hause zurückkehrte, folgte ihr Callixte, um herauszufinden, wo sie wohnt. Und dann besuchte er sie zu später Stunde. Callixte stellte ihr nur zwei Fragen: «Bist du verheiratet? Und glaubst du, deine Familie könnte mich akzeptieren?»

Wabiwa versprach ihm, mit ihren Eltern zu sprechen. Vater Mihingo war alles andere als begeistert: «Ich hatte Angst, dass die Hutu-Miliz mich umbringt, wenn ich die Ehe nicht akzeptiere.» Doch der zerbrechliche Mann mit den nachtblauen Augen staunte, als Callixte ihm zwei Wochen später den Brautpreis brachte: 1 Kuh, 2 Schafe und 500 Dollar – das ganze Dorf lief zusammen. Es war eine Sensation! Zum ersten Mal war ein Hutu-Milizionär bereit, den Brautpreis zu bezahlen, statt sich die Frau einfach zu nehmen.

Callixte und Wabiwa

Mit der Zeit gewöhnte sich Wabiwas Vater an den ungewöhnlichen Schwiegersohn. «Er schaute gut zu meiner Tochter. Er gab ihr schöne Kleider, baute ihr ein Haus. Er ist kein schlechter Mann. Wenn ich kein Geld für Seife oder Zigaretten hatte, kaufte er sie mir», sagt Mihingo. Auch Wabiwa ist zufrieden: «Ich würde keinen Kongolesen heiraten wollen. Die tun den ganzen Tag nichts. Mein Mann beschafft Essen und er hilft mir beim Kochen und Putzen.» Ein Jahr nach der Heirat gebar Wabiwa ihr erstes Töchterchen. Callixte sagt, der Moment, als er die kleine Edith das erste Mal in den Händen gehalten habe, sei die friedlichste Erfahrung seines Lebens gewesen. Aber nur wenige Wochen später lag Edith am Morgen tot auf der Schlafmatte. Wabiwa und Callixte waren wie gelähmt. Der Dorfarzt konnte nicht feststellen, woran das Kind gestorben war.


Mama Wabiwa

Es dauerte drei Monate, bis Wabiwa wieder schwanger war. Dieses Mal gebar sie Zwillingsmädchen. Zwei Wochen nach der Geburt hatte sie den beiden Mädchen noch keine Namen gegeben, aus Angst, sie wieder zu verlieren. Auch Callixte fürchtete sich, aber aus anderen Gründen: Es ging das Gerücht um, das kongolesische Militär plane einen Angriff auf die Hutu-Milizionäre. Kongos Armee hatte sich neu ausgerichtet und zusammen mit Ruanda beschlossen, die Hutu-Miliz FDLR gemeinsam zu bekämpfen. Als sich das Gerücht über diesen Seitenwechsel der Armee erhärtet hatte, packten Callixte und seine Frau sowie neun weitere Hutu-Milizionäre im Morgengrauen ihre Sachen und verliessen Kigogo, um sich im Urwald zu verstecken.

Nur Tage danach hörten die Dörfler Kigogos Schüsse, die das Vordringen der kongolesischen Armee ankündigten. Wieder war Mama Mirjam Augenzeugin: «Als das Militär kam, zerstörten sie zuerst unsere Häuser, dann folterten sie unsere Männer. Sie warfen uns vor, mit dem Feind verbündet zu sein. Dann zogen sie weiter, um die Hutu-Miliz zu suchen, die sich irgendwo im Wald versteckt hatte.»

Gemeinsam auf der Flucht

Wabiwa war zum ersten Mal so tief im feuchten und nassen Dickicht des Urwaldes unterwegs. Alles schien grün: die Bäume, der Waldboden, die Blätter, sogar das Licht. Und sie war umgeben von Menschen, von denen sie die meisten nicht kannte. Dazu der Hunger. Sie fror. Wenn ihre Späher kongolesische Soldaten sichteten, zogen sie weiter – fast täglich. Ihre zwei Töchter weinten oft. Sie hatten Fieber. Und ihr Ehemann Callixte schien verändert: Er trug jetzt eine Waffe und wirkte härter, als sie ihn je zuvor erlebt hatte. Eines Nachts rüttelte er panisch an ihren Beinen. Die kongolesische Armee hatte das Lager entdeckt! Sie mussten sofort fliehen. Wabiwa band sich ihre zwei Töchter auf den Rücken und folgte Callixte. Dann fielen die ersten Schüsse. Die Hutu-Milizionäre schossen zurück. Wabiwa hörte Schreie. Nicht alle Frauen und Kinder waren rechtzeitig geflohen.

Wie lange sie damals durch den Wald gerannt war, weiss sie nicht mehr. Nur dass sie am nächsten Abend eine Frau tröstete, deren Kind im Kugelhagel umgekommen war. Auch Wabiwas Töchter starben bald im Urwald: an Malaria. Als die Fluchtgruppe im Urwald die Nachricht erreichte, das kongolesische Militär habe sich zurückgezogen, kehrten die Hutu-Milizionäre mit ihren Familien zurück nach Kigogo. Es war eine traurige Rückkehr: Ihre Hütten waren zerstört, das Hab und Gut weg, die Felder abgeerntet. Wabiwa stand unter Schock: Der Schmerz über den Verlust ihrer Kinder, die Schüsse, die Kämpfe, der Tod im Urwald.


Wabiwa am Grab ihrer Kinder.

Katz-und-Maus-Spiel

In den nächsten sieben Jahren kam es wiederholt zu Militäraktionen gegen die Hutu-Miliz FDLR. Ein Katz-und-Maus-Spiel, bei dem immer die gleichen verloren: die Menschen im Dorf Kigogo. Beide Seiten, Miliz und Armee, warfen der Dorfbevölkerung vor, mit dem Feind verbündet zu sein. «Das kongolesische Militär verhielt sich wie die Hutu-Miliz. Die Soldaten liessen sich von den Zivilisten bekochen und übernachteten in deren Betten. Beschützt haben sie uns nicht», fasst Dorfpfarrer Bahezire die Lage zusammen. Er kritisiert auch die Hutu-Miliz FDLR: «In dieser Zeit hatten wir keine gute Beziehung mehr. Die Miliz drohte uns mit Rache, falls wir das kongolesische Militär unterstützen. Aber was hätten wir tun sollen?»

Und Callixte war müde geworden: «Ich bin es leid, mich immer wieder mit meiner Frau verstecken zu müssen. Ich will nicht Kämpfer bleiben. Ich möchte nur noch in Ruhe hier in Kigogo leben.» Doch dafür hatten seine Vorgesetzten kein Verständnis. Kurz vor Weihnachten 2014 kamen FDLR-Milizionäre in seine Hütte und zerrten ihn und seine Frau nach draussen. Mit Schlägen wollten sie ihn wieder auf den «rechten Weg» bringen. Erst als Callixte ohnmächtig am Boden lag, liessen sie von ihm ab. Wabiwa verpassten sie einen Tritt in den Bauch – sie war im neunten Monat schwanger. Trotzdem kam am Weihnachtsmorgen ihre vierte Tochter zur Welt: Noella.


Die kleine Noella, drei Wochen nach der Geburt.

Die Entscheidung

Als erneut die Nachricht die Runde machte, das kongolesische Militär plane eine weitere Aktion gegen die Hutu-Miliz, überdachte Callixte seine Lage: Er befürchtete, erneut ein Kind auf der Flucht im Wald zu verlieren und seine Beziehung zu den Milizkameraden war seit deren «Erziehungsaktion» vor Weihnachten angeschlagen. Was tun? Ein Anruf bei einem Bekannten wies ihm einen Ausweg: Callixte beschloss, sich den UN-Truppen in der Region zu stellen. Doch bevor er seine Entscheidung umsetzten konnte, griff das kongolesische Militär an. Es war zu spät. Mama Mirjam: «Im März 2015 wurde Callixte von kongolesischen Soldaten gefasst, sie brachten ihn ins Gefängnis in Goma.» Seine Tochter Noella stirbt Mitte Juli 2015 im Alter von sieben Monaten. Wabiwa hatte in Kigogo nicht mehr genügend Nahrung für sie beschaffen können. «Ich habe schlechte Dinge getan. Ich tat sie, um zu überleben. Wäre ich nochmals jung, würde ich der Hutu-Miliz FDLR nicht mehr beitreten. Ich würde Bauer werden», so hatte es Callixte einst in seiner Lehmhütte im Dorf Kigogo leise gesagt – lange bevor man ihn ins Gefängnis warf.


Noellas Grab

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Infobox – Von Sese Seko Mobutu bis Joseph Kabila

1994, nach dem Völkermord an Tutsis und moderaten Hutus in Ruanda, flüchteten Letztere ins damalige Nachbarland Zaire. Von dort aus griffen militante Hutus – unterstützt vom Zaires Herrscher Sese Seko Mobutu – Ruanda an. Im Spätsommer 1996 marschierte deshalb Ruandas Armee in Zaire ein. Dort gelang 1997 einer Koalition verschiedener Rebellengruppen – unter der Führung von Laurent-Désirée Kabila – der Sturz von Mobutu. Kabila erklärte sich zum Präsidenten und nannte das Land nicht mehr Zaire, sondern Demokratische Republik Kongo. 1998 gerieten Ruanda und der Kongo aneinander, der sogenannte zweite Kongokrieg begann. Involviert waren mehr als ein Dutzend Staaten Schwarzafrikas. Dabei ging es unter anderem um Bodenschätze im Osten des Kongos. In dieser Zeit versöhnte sich Kabila mit den militanten Hutus und kämpfte mit ihnen gemeinsam gegen verschiedene Rebellengruppen, die sich im Osten formiert hatten. Ab November 1999 stationierte die UN-Mission MONUSCO Friedenstruppen im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Als Kabila 2001 bei einem Attentat ums Leben kam, gelangte sein Sohn Joseph Kabila an die Macht. Trotz der UN-Stabilisierungsmission dauert der Krieg gegen die zahllosen Rebellengruppen an. Weiterhin sind kongolesische Soldaten in illegale Geschäfte und Plünderungen involviert. Der zweite Kongokrieg soll geschätzt mehrere Millionen Leben gekostet haben.

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