« Gschpürsch-mi, Fühlsch-mi» – Studium? Nein danke!

Wie mich das Lehrerstudium zur Biotechnologie brachte.

„Einfach loslassen, den Stress abschütteln und tanzen.“ – Auch der erneute Zuspruch der 40-jährigen Dozentin mit ihrem Piepsstimmchen vermochte es nicht, mich aus dem Sessel zu reissen. Da sass ich nun. Im zweiten Studienjahr zur Sekundarlehrperson – ja der Begriff stimmt, denn Lehrerin ist nicht genderneutral – und wurde tatsächlich aufgefordert die Farbe „Gelb“ zu tanzen. Nein, ich wollte nicht, wirklich nicht, die Farbe „Gelb“ tanzen.

Bereits die Modulausschreibung hätte mich stutzig machen sollen: „Durch neue Spiele werden die Möglichkeiten des Spiels in die Spontanität hinein entfaltet und mit dem gesamten Körper die Spiellust als Motor kreativen Tätigseins entdeckt.“ – So also verkauft man der Studienleitung ein Fach, in dem die Studierenden anschliessend fünf Tage lang Spielchen spielen und unter Anderem Farben tanzen müssen.

Immer wieder muss ich mir von meinen Freunden anhören, wie schön ich es doch hätte, mit meinem „Schoggi-Studium“. Doch ich finde leider nichts Schönes daran, wenn einem das Gefühl übermannt, langsam aber sicher jede noch aktive Hirnzelle zu verlieren.

„Wissen erleben, bevor man es unterrichtet.“- So der Leitsatz meiner Pädagogischen Hochschule. Spannende Idee, die jedoch daran scheitert, dass wir ja alle schon einmal die obligatorische Schulzeit durch-lebt haben. Zweifelhaft ob ich noch etwas Neues lerne, wenn ich nochmals ein Mandala ausmale und anschliessend den Ausmalprozess reflektiere.

Himmelhoch jauchzend…

Dann durften wir endlich Raus in die Praxis. Erste Probelektion unterrichtet. 45 Minuten Einführung ins Bruchrechnen. Die 19 Schülerinnen und Schüler – wir sind ja schliesslich genderkorrekt – waren motiviert, ich war begeistert. Es war ein super Gefühl, endlich das zu tun, wofür man dieses Studium überhaupt in Angriff genommen hat.

… zu Tode betrübt

Am nächsten Morgen dann der tiefe Fall. Die ’45-Minuten-Lektion’ musste nun gemeinsam mit meinen Mitstudierenden sechs Stunden lang reflektiert werden. „Wie haben sie sich gefühlt? Wie haben sie die Schüler wahrgenommen? Wie schätzen sie ihre Wandtafelschrift ein?“ In sich gehen, sich innerlich Sammeln, spüren, fühlen. „Es gibt kein richtig oder falsch,“ so die ewige Ermutigung.

GENUG.

Aber ich WILL richtig oder falsch. Ich wünsche mir, angeschrien zu werden, wenn mein Gesagtes völliger Schwachsinn ist. Wenn ich keine Kritik von aussen bekomme, kann ich genau so gut zu Hause bleiben.

Bin ich zu weich für die harten Fächer? Nein! Und bevor ich es werde: An der Pädagogischen Hochschule abgemeldet. An der ETH angemeldet. Biotechnologiestudium. Ich komme.

Basierend auf wahren Begebenheiten.

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